Farblos, aber schön

Das Bild mit der Nummer 1 heißt „Stille" und gibt die Grundstimmung vor. Eine große, friedliche Ruhe zeichnet die neue Ausstellung im Rehauer Rathaus aus, was auch daran liegt, dass in den Fotos die sogenannten unbunten Farben – Schwarz, Weiß und Grau – unter sich sind; nur ganz selten wagt sich ein Hauch Sepia vor. Dabei ist Schwarz-Weiß-Fotografie im digitalen Zeitalter eigentlich out. Man brauche eine Spezialausrüstung dafür, erläutert Dirk John, der Organisator der Schau, und verrät, dass alle Exponate ursprünglich Farbe hatten und im Computer „konvertiert" wurden. Der Vorgang gibt dem Fotografen beste Möglichkeiten, Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen, vor allem im Hinblick auf eines der wichtigsten Stilmittel – den Kontrast.

Auf dem Bild sind Bilder aus der aktuellen Fotoausstellung im Rehauer Rathaus zu sehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Foto der Hofer VHS existiert seit 60 Jahren. Ihr gehören Menschen an, die hobbymäßig fotografieren und dazulernen wollen. Die Ausstellung in Rehau kam kurzfristig zustande, weil ein Projekt im Rathaus abgesagt worden war. Dirk John bot an, die Lücke zu füllen, und lud die Mitglieder der AG zum Mitmachen ein, elf sagten zu. Themen wurden nicht vorgegeben, wohl aber die Größe der Bilder. Denn 47 Bilderrahmen im Format 55x45 Zentimeter –ein Geschenk der Hofer Klinik, wo sie nicht mehr gebraucht wurden – sollten zum Einsatz kommen. Auf zwei Etagen im Rathaus bieten sie nun ein Gesamtbild allerschönster Ordnung, was auch Bürgermeister Michael Abraham bei der Eröffnung zu würdigen wusste. Überdies wies er sich als Kenner des Mediums aus: In der Schule hatte er Steno abgewählt und war in der Fotowerkstatt  tätig geworden.

Zu sehen sind in der Ausstellung, die den Titel „Farblose Welten?" trägt, Bilder von sechs Frauen und fünf Männern. Die Fotos sind, wie gesagt, auffallend schön, langweilig jedoch keinesfalls, selbst bei Karlheinz Beyer nicht, der Ewigkeit und Vergänglichkeit ins Visier nimmt, oder bei Martina Neuper, bei der „die Lichter aus" sind. Die AG-Fotografen weisen nach, dass sie den besonderen Sinn für attraktive und gefühlvolle Aus- und Einblicke haben, egal ob alles „alt und abgenutzt" ist oder „Nacht und Nebel" herrscht. Das Spektrum reicht von „Natur pur" (Jana Schierjott) bis zu „Shadow Games" (Frank Mertel). Dem Organisator Dirk John wird die Ehre zuteil, nicht nur mit fünf eigenen Fotos vertreten zu sein. Darüber hinaus hat ihn eine Kollegin als Sinnbild der „Entschleunigung" in einer Szene abgelichtet, die mitten in der Natur von einer Stehlampe beleuchtet wird. Offen bleibt die Frage: Woher kommt der Strom?

Die Ausstellung läuft im Rehauer Rathaus noch bis zum 17. Juli 2026.